Lonely Ballads

reduced songs to step back.
Uraufführung

„Lassen Sie uns zum nahenden Ende der Pandemie die schaurig-schöne Einsamkeit gemeinsam erleben.“ (Martin Gruber)

Die Pandemie hat auch die Mitglieder des aktionstheater ensemble auf sich selbst zurückgeworfen. Was am Ende bleibt, sind persönliche Bestandsaufnahmen. In einem sprachlichen und physischen Parforceritt werden Angst-Themen, seien sie nun privater oder gesellschaftspolitischer Natur, manisch durchdekliniert. Jedoch das Nachdenken über Femizide, drohende Umweltkatastrophen, Wiederanstieg von Antisemitismus oder die eigene soziale Abstiegsangst gerät zum narzisstischen Seelenstriptease.

Umringt von Musiker*innen werden die Schauspieler*innen einzeln und nacheinander in die Mitte geworfen. Einsam sprechen sie davon, wie gut sie doch in ihren Singlewohnungen zurechtkommen. „Erst jetzt ist mir bewusst geworden, wie gut ich, trotz aller Wirrnisse, mit mir alleine klarkomme“, meint die eine. Sie feilt, wie alle anderen auch, an der Optimierung ihrer Solo-Karriere. Ein anderer, verlassen von seiner Partnerin und vorerst gescheitert an seinen profeministischen Idealen, arbeitet an einem funktionierenden Lebenskonzept … Jegliche Selbstbeteuerungen wollen aber nicht so recht gelingen.

Verzweifelt versuchen die Protagonist*innen in den beiden Teilen dieses Diptychons von Martin Gruber und seinem preisgekrönten aktionstheater ensemble gegen die Melancholie der einsamen Balladen anzukämpfen. Die Sprache versagt. Was an Hoffnung bleibt, mag hinter den Balladen verborgen sein.

                  

Reaktionen

„Den abgründigen Witz bezieht die Aufführung aus der Vortragskunst der Performer und dem irrwitzigen Text: ‚Lonely Ballads‘ changiert zielsicher zwischen derbem Humor und poetischem Tiefsinn, zwischen feiner Ironie und fast schon kitschiger Ernsthaftigkeit. Dem Ensemble ist ein tieftrauriger, zugleich unendlich tröstender Abend gelungen.“

Wiener Zeitung

„Ein radikal subjektives Kaleidoskop der Gegenwart … Es sind Figuren, die zur Entäußerung neigen, ADHS und Logorrhoe zu getänzelten Monologen verbinden, die in ihren ansatzlos von Detail zu Detail wechselnden Geschichten sich selbst bloßstellen, in tausend Verrenkungen und Wiederholungen, und dabei dem Publikum den Zerrspiegel vorhalten. Ihr kultivierter Bühnen-Exhibitionismus erzeugt meist schon bald eine mal prickelnde, mal nervende Spannung zwischen Selbst- und Fremd-Scham.“

APA – Austria Presseagentur

„Mit verlässlicher Regelmäßigkeit bringt Österreichs profilierteste freie Theatergruppe zwei Uraufführungen im Jahr heraus … ‚And I know: the future is already gone. Fill my heart with stones‘, geht die letzte ‚lonely ballad‘, immer wieder, bis das Licht erloschen ist. Dass man am Ende eines gelächterreichen Abends schön traurig hinausgehen würde, hatte man geahnt.“

Nachtkritik.de

„Lonely Ballads ist eine dichte, geschickt miteinander verwebte Mischung aus persönlichen Pandemie-Bestandsaufnahmen, Kindheitserinnerungen, seelischen Verletzungen und alltäglichen Hindernisläufen, die mit viel Körpereinsatz verarbeitet werden.“

Kurier

„Das Theaterkonzept Martin Grubers ist einzigartig. Über den Menschen in solch schonungsloser Offenheit zu erzählen, in Sprache und Körper, diese Intensität braucht auch etwas, um die Wucht des Ausdruckes aufzufangen, zu begleiten. Es braucht die Musik, wenn das alltägliche Grauen in solcher Dramatik spielerisch benannt wird, sonst würde es Bühne und Publikum zerreißen.“

Literatur outdoors

„Extrem Skurril … Das Herz geht einem auf bei diesem Liederkreis im Geist der Americana, hübsch dezent vorgetragen hinter transparenten Wänden. Als hätten Nick Cave & The Bad Seeds zusammen mit ein paar entflohenen Benediktinermönchen eine Singgemeinschaft gegründet.“

Der Standard

„Wer die Produktionen von Theaterregisseur Martin Gruber und dem ‚aktions­theater ensemble‘ kennt, der weiß, dass die Stücke nahe­gehen und man auch als Besucher emotional mitfiebert.“

Wiener Bezirksblatt