Man muss sich die Angst aber nicht gleich zur Freundin machen; es reicht schon, wenn sie sich als Vertraute einschleicht – eine Vertraute, die man lieber nicht hätte und die doch jeder kennt. In Martin Grubers Inszenierung huscht sie durch herabhängende Neonröhren, die das Fürchten strukturieren wie ein Barcode. (…) Das Ergebnis ist ein Kaleidoskop bewegter Monologe, die ihre Präsenz in erster Linie aus der Körpersprache der Akteure beziehen. Denn nie ist der Mensch so sehr auf seine Körperlichkeit reduziert wie in Momenten, da die Angst ihn beutelt. Nie ist er so unfähig zum Dialog, zum Zuhören. Nie so sehr eingesperrt in sich selbst.

Atemlosigkeit und Schweißausbrüche, Zittern, Geschrei, wilde Verrenkungen prägen denn auch das Spiel. (…) Denn auch wer einen bestimmten Schmerz, eine präzise zu verortende Angst nicht kennt: der Körper des Menschen ist ein Gedächtnis, das weiter reicht als die konkrete Erfahrung. „Drei Sekunden“ spitzt dieses Wissen zu, bis es dem einzelnen Zuhörer, der einzelnen Zuseherin schmerzhaft ins Herz sticht. Vielleicht gibt’s für Kermit ja einen Muppet-Himmel. Für uns gibt’s da oben nur Boeings mit Killerviren an Bord. Dafür hier unten ein befreites Gelächter.

(Ingrid Bertel)

Die vollständige Kritik können Sie unter folgendem Link nachlesen:
http://kulturzeitschrift.at/kritiken/theater/kermit-bleibt-verschwunden-unter-dem-titel-201edrei-sekunden201c-ergruendet-der-bregenzer-autor-wolfgang-moerth-zusammen-mit-dem-aktionstheater-ensemble-die-koerperwelten-der-angst